Alle Menschen sind gleich

Alle Menschen sind gleich! Eine schöne Idee! Ein Aufschrei aus frühen Tagen! Liberté, Egalité, Fraternité! Eine revolutionäre Forderung, die ganz schön schief gelaufen ist, wie wir wissen. Aber sie geistert weiter durch die Geister. Ist es ein unvergängliches Postulat? Ist es ein Glaubensbekenntnis? Ist es die communis opinio, der man ohne weiteres Nachdenken zustimmen möchte? Ist es ein Ziel, „ aufs Innigste zu wünschen“? Schön hört sich auch der einschränkende Satz an, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind. Den möchte man doch gleich aus vollem Herzen bejahen. Aber dann sehen wir im Film, dass der bessere Anwalt, also der besser bezahlte Anwalt, die Gleichheit vor dem Gesetz doch ganz schön in Frage stellt. Und dann zweifeln wir doch wieder daran, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind.

Aber ist es trotzdem nicht sinnvoll, angesichts von Tatsachen auf Forderungen und Behauptungen zu bestehen? Man soll nicht vor den Tatsachen kapitulieren. Eine edle märchenhafte Behauptung kann doch noch irgendwie auf die Wirklichkeit einwirken. Wenn von vorneherein auf der Ungleichheit der Menschen bestanden würde, könnte daraus das Recht abgeleitet werden, die Menschen ungleich zu behandeln, also Brutalität zu rechtfertigen, weil der und der es ja verdient habe.

„Alle Menschen sind gleich“ - der Satz mag bedeuten, dass alle Menschen die gleiche Würde haben, insofern sie Menschen sind. Und diese Würde verbietet es, Menschen „unmenschlich“ zu behandeln. Es ist besser, sprachlich auf Edelmut zu bestehen, als die Brutalität der Tatsachen sprachlich vorwegzunehmen. Es ist schon gut, vom Menschen etwas zu fordern, was er leider noch nicht ist. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ Er sei es!

Vor Gott sind alle Menschen gleich. Mag Gott den Heiligen genauso wie den Sünder? Die Geschichte vom verlorenen Sohn legt das nahe. Es ist tröstlich, solche Geschichten zu hören. Aber dann sehen wir doch, dass im Leben nicht alle Menschen gleich sind. Es wäre ja auch furchtbar, wenn alle gleich wären, sagen wir. Das wäre doch langweilig. Die soziale Gerechtigkeit hebt auch auf die Gleichheit der Menschen ab. Warum soll der mehr haben als ich? Vor der Idee der Gleichheit kann man sich ganz schön verbiegen und verbeugen. Mit der Idee der Gleichheit kann man sich verlustieren. Und mit der Idee der Gerechtigkeit stößt sie auch ganz schön zusammen. Wenn alle gleich sind, sollten dann nicht alle auch gleich viel haben? Zumindest das „bedingungslose Grundeinkommen“ ? Ist die Gerechtigkeit die liebevolle Schwester der Gleichheit oder ihre hartherzige Kusine? Lasst uns weiter darüber sinnen.

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