Kurz und bündig: Alfons Klein über sich

Was ist Ihr tägliches Arbeitspensum als Autor?
Zwei bis drei Stunden sollten es schon sein. Leider bleibt das oft ein frommer Wunsch, da die Anforderungen des Tages dazwischen funken.
 
Kennen Sie beim Schreiben des 1. Satzes das Ende des Romans?
Das Schreiben hat seine eigene Dynamik. Man hat eine Idee, vielleicht sogar einen Plan, aber der Prozess des Schreibens verändert vieles oder alles.
 
Ist beim Schreiben Ihr PC an?
Meist nie!
 
Sie haben lange als Lehrer gearbeitet. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Bücher?
Gottseidank sagen die Leute normalerweise nicht: An Ihren Büchern merkt man aber, dass Sie Lehrer waren!
 
Warum sind Sie nicht schon früher Schriftsteller geworden?
Weil ich nicht als Sohn reicher Eltern geboren wurde und zunächst einmal dieses oder jenes hätte ausprobieren können. Schreiben war mir immer ein Bedürfnis, aber Schriftsteller werden lag außerhalb meiner realen und außerhalb meiner Vorstellungswelt.
 
Sie sind Saarländer. Das Saarland spielt in Ihren Büchern eine wichtige Rolle. Warum?
Das Saarland spielt in meinen Büchern eine wichtige Rolle, weil ich Saarländer bin und hier lebe. Der Autor wird von seinem sozialen und geographischen Umfeld bestimmt.
 
Was inspiriert Sie beim Schreiben?
Beim Schreiben inspiriert mich die Muse, wer oder was auch immer das ist. Zum Schreiben inspiriert mich das Lesen von Büchern, das Hören von Gesprächen und Statements, das Sehen von Ereignissen (auch im Fernsehen), das Zusammensein mit Leuten, das Alleinsein mit mir.
 
Was tun Sie am liebsten, wenn Sie nicht schreiben?
Lesen, träumen, zusammen sein mit meiner Frau, mit den Kindern und ihren Familien, mit nahen Verwandten und guten Freunden.
 
Welchen Rat geben Sie jungen Menschen heute?
Küsst nicht dem Zeitgeist die Füße! Und da junge Leute gern das Gegenteil von dem tun, was man ihnen rät, rate ich für alle andern Fälle: Hört nicht auf den Rat der Alten!
 
Welches Buch bereitet junge Menschen am besten auf das Erwachsensein vor?
Schwer, da ein einzelnes Buch zu nennen. Ich schlage Autoren vor: Hermann Hesse, Heinrich Böll, Siegfried Lenz, Thomas Mann (Zauberberg), Robert Musil (Verwirrungen des Zöglings Törleß), Günter Grass, Martin Walser, aber auch Goethes Gedichte und den Faust (1), sowie Schillers Gedichte und die Dramen.
 
Welche Romanfigur würden Sie gern treffen?
Ganz gern treffen würde ich Charles Swann aus Prousts „Recherche du temps perdu“.
 
Ist Schreiben für Sie Arbeit?
Sicher ist Schreiben Arbeit, aber es ist nicht der „labor improbus“, also nicht die drückende Arbeit, sondern es ist die Arbeit, die Freude macht und ein Lebenselixier ist.
 
Wie wichtig ist Humor beim Schreiben?
Humor ist der Zucker im Schreibbrei.
 
Was würden Sie tun, wenn Sie unermesslich viel Geld hätten?
Schenken, anlegen, eine Stiftung gründen (da würde mir schon was einfallen), Kinder und nahe Verwandte großzügig bedenken, Freunde einladen.
 
Sie sind 1935 geboren. Wie verlief Ihre Kindheit?
Ich hatte eine glückliche Kindheit - ohne Abstriche. Auf dieser glücklichen Kindheit beruht bis heute mein Leben.
 
Latein oder Französisch – welche 2. Fremdsprache empfehlen Sie Kindern heute?
Französisch ist gut, Latein ist besser. Warum? Da würde ich gern zu einem Vortrag anheben, aber das würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.
 
Sie mögen gern Eulen. Was fasziniert Sie daran?
Die Eule ist der Vogel der Göttin Athene („glaukopis Athene“, „eulenäugige Athene“ nennt Homer sie. Der Autor ist nicht weise, aber er liebt die Weisheit.
 
Welchen Ort möchten Sie gern bereisen?
„Meinen Sie Zürich zum Beispiel sei eine tiefere Stadt, wo man Wunder und Weihen immer als Inhalt hat?“
Nein, ich halte es mit Benn; „Ach, vergeblich das Fahren, spät erst erfahren Sie sich. Bleiben und stille bewahren das sich umgrenzende Ich!"
 

 

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