Ebbes is immer

Ebbes is immer

"Der Dachs singt" und andere Geschichten aus dem richtigen Leben"

Saarbrücken, Geistkirch-Verlag 2011, ISBN 978-3-938889-38-1, Preis: 14,80 €

Auch wer glücklich und zufrieden lebt, wird sich immer mal wieder dessen bewusst, dass zur Vollkommenheit einiges fehlt, denn "ebbes is immer". Die Erkenntnis, dass "immer ebbes is", ist aber absolut kein Grund in Pessimismus und Resignation zu verfallen. Die ,,Helden" dieser  Erzählungen gehen das Leben anders an: Sie schrauben die Ansprüche nicht zu hoch und freuen sich über das Gute, das ihnen zuteil wird, wohl wissend, dass niemals alles so ist, wie es sein sollte oder könnte.

,,Jedes Glück hat einen kleinen Stich"(Tucholsky).

Diese Geschichten aus dem ,,kleinbürgerlichen Heldenleben" (Geleitwort von Klaus Brill) erzählen von den alltäglichen Begebenheiten, die unser Leben ausmachen und mit denen wir umzugehen haben. Mal gelingt es besser, mal weniger gut. Die Geschichten erzählen vom" Hannes un vom Pit", die manchmal "lädisch sin" und bei denen es öfter nicht so klappt, die sich aber trotzdem nicht unterkriegen lassen. Sie lesen vom Umgang der Menschen mit Katzen und anderen Tieren. Man weiß ja doch nicht immer so recht Bescheid darüber, was die Tiere sich so denken. Und auch ihr Verhalten gibt manche Rätsel auf. Singt nun der Dachs oder singt er nicht?  Und was könnte es bedeuten, wenn der Dachs singt?

Die Geschichten gehen von der nordsaarländischen Gemütslage aus. Ein wichtiges Personenpaar sind hier "Er und Es". Sie haben bei aller Liebe zueinander gelegentlich im Alltag so ihre Probleme miteinander. Erinnerungen an die Kinderzeit werden wach. Es ist ja ein Glück, wenn man eine schöne Kindheit hatte, an die man sich gern erinnert. Wie war das noch, wie "mir als Kinner gespielt han"? Und was hat ein Kind davon, wenn es sich den Hals wäscht?

Auch die Alten kommen zu Wort. Sie haben es bei allen heutigen sozialen Einrichtungen und Pflegeversicherungen nicht leicht, aber sie machen es einem auch manchmal nicht leicht. Der Besuch im Altenheim aber ist wichtig, er ist für die Alten der Kontakt zur Welt da draußen und zur Welt von früher, und der Besucher gewinnt Einsichten in eine Welt, die auch ihn erwartet.
Und immer wieder treffen sich zwei und bleiben zu einem "Schwätzchen" beieinander stehn. Wenn aber einer mit großem Behagen einen "Worschdweck"  verspeist und man muss zugucken, das ist nicht so schön. Und natürlich spielt die Heimat eine Rolle. Da gibt es Geburtstagsfeiern und Märkte, man sitzt im Wohnzimmer und auf der Terrasse und am Stammtisch in der Wirtschaft zusammen und spricht über die Dinge, die im Alltag so vorkommen, und von Träumen, die man so hat, und  ruft Erinnerungen auf, die so manches verklären: "Wäschde noch?"

Die Geschichten versuchen den Charme einer Landschaft zu vermitteln und die Mentalität ihrer Menschen, die liebenswert sind, aber auch ihre "Naupe han" und die dem, was das Leben so bringt, auf ihre ganz eigene ,,heldenhafte" Art begegnen.

Klappentext

Die Namen der Personen dieser Satiren sind frei erfunden wie die Personen selber. Doch Übereinstimmungen mit der Realität sind eindeutig das Konzept von "Ebbes is immer". In handfester St. Wendeler Mundart und gediegenem Deutsch beschreibt Alfons Klein die raue und die weniger raue Lebenswirklichkeit, so wie wir sie eigentlich von Herzen lieben.

Leseprobe: "Der Dachs singt"

In letzter Zeit hört man öfter, dass der Dachs singt. Und es sind meist vertrauenswürdige Personen, seriöse Herren in dunklen Anzügen und mit Kravatte, die das mit ernster Miene behaupten. Als ich es zum ersten Mal hörte, konnte ich mich eines leisen Auflachens nicht erwehren. Inzwischen lache ich nicht mehr. Denn es ist offenbar etwas Besorgniserregendes. Es scheint ein Vorzeichen kommender Katastrophen zu sein. Eine Art Menetekel. Vielleicht schlimmer als die drohenden Signale des Klimawandels. So wie sich früher vor Kriegen und Seuchen Kometen mit leuchtendem Schweif am Himmel zeigten. Heute singt der Dachs.
Die ernsthaften Herren, die im Fernsehen auftreten, stützen ihre Behauptung mit Zahlen und Tabellen, die ich zwar nicht verstehe, die aber auf schlimme Entwicklungen hinzudeuten scheinen.
Nun habe ich allerdings noch keinen getroffen, der persönlich und mit eigenen Ohren gehört hätte, wie der Dachs singt. Sie haben es alle nur von anderen gehört, dass der Dachs singt. Und da muss man ja doch so seine Zweifel haben. Ich jedenfalls bin keineswegs völlig davon überzeugt, dass der Dachs singt. Aber ich halte es für möglich, dass der Dachs singt.
Natura non facit saltus, hat man früher gesagt. Die Natur macht keine Sprünge. Aber all diese unverbrüchlichen Wahrheiten und kugelsicheren Behauptungen sind in unserer Zeit, die sich dem ungebremsten CO 2- Ausstoß und anderen Globalisierungseffekten hemmungslos verschrieben hat, hinfällig geworden. An was soll man noch glauben?
Stumm wie ein Fisch, hat man früher gesagt. Das ist auch nicht mehr wahr. Die Wale und Delphine sollen auch so eine Art Gesang haben. Und wer weiß, was die Schollen vor sich hin murmeln.
Der Schwan zum Beispiel soll ja auch singen. Ich kenne zwar auch keinen, der das gehört hat, aber man spricht ja vom Schwanengesang. Und zwar schon seit so langer Zeit, dass da auch etwas dran sein muss. Der Schwan soll ja singen, wenn er stirbt. Vielleicht ist es beim Dachs auch so.
Die Rufe und Laute mancher Tiere sind uns ja vertraut und sie stören uns nicht, wenn wir nicht gerade von einem unverdrossen krähenden Hahn unsere frühmorgendliche Nachtruhe behelligt finden. Aber wo gibt ´s noch Hähne? Man begegnet ihnen fast nur noch am Spieß und da krähen sie nicht mehr.
Der Ruf der Tiere wird zwar vernommen, aber er ist nicht immer der beste. Andererseits ist der schlechte Ruf, in dem der Wolf seit dem Verschlucken von Rotkäppchen und seiner Großmutter steht, vielleicht nicht so gerechtfertigt, wie uns die Märchenerzähler glauben machen wollen. Und das Lied der Lapplandmeise erklingt über die weiten Ebenen des Polarkreises, ohne dass es einen Elch vom Hocker reißt.
Was will ich damit sagen? Ja, das frage ich mich auch. Man wird ganz verwirrt von all diesen tierischen Lauten. Ich komme jedenfalls dabei der Antwort auf die Frage, warum der Dachs singt und wann er singt und ob er überhaupt singt und was es zu bedeuten hat, wenn er singt, um keine Oktave näher. 

Leseprobe: "An der Blies"

Du stehschd im Park am Wasser,
dat Wasser fließt vorbei,
dort, wo ´t hinfließt, wird’s nasser,
dat kemmt vom Pantarhei.
 
Die Blies, die fließt eronner,
eronner in die Saar,
un dat is aach kä Wonner,
weils immer schon so war.
 
Am Wasser stehn un gucke,
dat macht dich ruhig und froh,
du kannschd aach erin spucke,
awwer et geht aach so.
 
Am beschde steht ma immer
e bissje weiter weg,
dann sieht ma nur de Schimmer
vom Wasser, net de Dreck.
 
Un gehschd de e bissje näher
an et Wasser von de Blies
un noch e bissje näher,
dann krischd de nasse Fieß.
 
 
Die allermeischde Sache,
dat kann ich dir nor saan,
die dun dir Spaß nor mache,
bischd de net zu nah draan.
 
Et Läwe dut verfließe
wie ´t Wasser in der Blies,
loss dich dat net verdrieße,
läb luschdisch un genieß!
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